Boxen in der Therapie – therapeutisches Boxen

Fokussieren auf den Moment

Vom Boxen zum therapeutischen Boxen
Boxen ist eine Kampfsportart. Boxen ist eine Verdichtung von Kraft, Schnelligkeit und höchster Konzentration. Boxen wird asoziiert mit Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit – mit dem Willen seine Ansprüche zu verteidigen. Boxen ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen und der Kontrolle derselben. Neben Kraft und Ausdauer sind vorallem auch Koordination, Konzentration, Technik und ein Wissen um mögliche Strategien gefordert.

Diese Effekte und Trainingsschwerpunkte lassen sich therapeutisch nutzen. Neben dem Auspowern im Rahmen der körperlichen Aktivierung liegt der Fokus des therapeutischen Boxens auf dem Erleben, dem Verhalten und der Kommunikation mit sich und mit anderen. Das Boxen kann gezielt zum Abbau angestauter Emotionen, wie Aggression und Wut aber auch zur Stressreduktion eingesetzt werden. Gefühlswahrnehmung und Steuerung der Gefühle werden bewusst gemacht und geschult. Die hohen Anforderungen an Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Koordination lassen Belastungen aus dem Alltag in den Hintergrund treten. Das Training fordert ein Fokusieren auf das Hier und Jetzt.

Mit welchen Materialien wird beim therapeutischen Boxen gearbeitet?
In unserem Gruppenraum haben wir die Möglichkeit unterschiedliche Materialien auszuprobieren. Mit Boxhandschuhen arbeiten wir am Sandsack, am Doppelendball oder in Partnerarbeit auf Schlagpratzen. Desweiteren gibt es Übungen zu den Themen Kraft, Ausdauer, Koordination, Reaktion und Aufmerksamkeit.

 

Welche Ziele werden verfolgt?
Boxen bringt den ganzen Körper in Bewegung. Es ist anstrengend und schweißtreibend. Verbessert werden alle motorischen Grundeigenschaften: Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Reflexe, Koordination sowie das Herz-Kreislaufsystem. Boxen als Therapie ermöglicht die innewohnende Kraft erlebbar und spürbar zu machen. Das Erleben der eigenen Kraft und Wirksamkeit kann als Ressource erschlossen und in Form neuer Muster und Erfahrungen in den Alltag transferiert werden. Es wirkt positiv auf das Selbstwertgefühl ein und unterstütz so die Durchsetzungsfähigkeit und die Standhaftigkeit. Stress und Spannungen werden abgebaut, es macht Spaß und steigert das Wohlbefinden.

Die intensive körperliche Arbeit und die hohe Konzentrationsleistung die erbracht werden muss, zwingen dazu den Alltag und die Alttagsbelastungen hinter sich zu lassen. Die Aufmerksamkeit ist in diesem Moment gefordert, man muss sich voll und ganz der momentanen Aufgabe stellen: Die Intensität des Schlages auf den Doppelendball erwirkt eine unmittelbare Reaktion. Schlägt man zu fest zu, fliegt einem der Ball um die Ohren. Schlägt man zu locker, kommt der Ball nicht in Bewegung. Zögert man mit dem Schlag, wird sich der Ball unrund bewegen.

Von der Analyse zum individuellen Trainingsplan
Jedes sportliche Programm beginnt mit einer genauen Untersuchung des Sportlers bzw. Klienten. Mit wissenschaftlichen Messmethoden und modernen Diagnostiktools erfassen die Sportwissenschaftler die motorischen Hauptbeanspruchungsformen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination und werten sie aus. Ausführliche Gespräche folgen, in denen mögliche körperliche Einschränkungen herausgefunden und individuelle Ziele festgemacht werden. Die Herausforderung für die Wissenschaftler besteht dann darin, anhand dieser Informationen die geeignete Art der Bewegung bzw. des Trainings zu finden – richtig dosiert und individuell angepasst. Während der eine seinen ganz individuellen Trainingsplan zur Leistungssteigerung benötigt, braucht der andere einfach umzusetzende Alltagsübungen, um zum Beispiel Rückenschmerzen vorzubeugen. Die Bandbreite ist groß. Die Möglichkeiten der Sportwissenschaft sind es auch.

Wie läuft eine Einheit ab?
Zu Beginn steht die Überlegung welches Ziel oder welche Ziele erarbeitet werden sollen. Die Einheit beginnt mit einem allgemeinen Aufwärmen des Herz-Kreislaufsystems und der, in weiterer Folge beanspruchten Gelenke. Die Bewegungsabläufe werden in Form von Schattenboxen und langsam geführten Schlägen gegen gepolsterte Flächen eingeschliffen. Anschließend wird zu fordernderen Aufgabenstellungen übergegangen. Neben dem bewegungsfreudigen Doppelendball, der ein exaktes Timing fordert, kommen der Boxsack und Partnerübungen an sogenannten Pratzen zum Einsatz.

Alle benötigten Materialien werden zur Verfügung gestellt. Mitzubringen sind bequeme Bekleidung und saubere Sportschuhe.

An wen richtet sich das Angebot?
Das Angebot richtet sich an alle, die in Bewegung kommen und dabei neue Wege beschreiten wollen. Kraft und Stabilität werden gefördert – auf körperlicher, wie auch auf psychischer Ebene.
Die klinische Erfahrung verweist auf gute Erfolge bei depressiven Symptomen, die sich häufig durch Antriebslosigkeit, fehlender Motivation, Erschöpfungszustände, aber auch durch Gedankenkreisen oder Schlafstörungen zeigen.
Anwendung findet das Boxen bei Themen Rund um Wut und Aggression: Die Wut wird körperlich ausgedrückt und so ausgeleitet, sie wird aber auch erlebbar und kontrollierbar – im Sinne eines Antiaggressionstrainings.
Funktionelle körperlichen Beschwerden, wie chronischen Verspannungen, die im Zusammenhang mit stressigen Alltagssituationen stehen, werden durch die intensive körperliche Aktivierung und verbessert Körperwahrnehmung positiv beeinflusst.