Eigenbluttherapie bei Sportverletzungen und Knorpelschäden

Plättchenreiches Plasma fördert Heilung und Regeneration

Innerhalb der letzten Jahre hat sich bei der Behandlung von Sportverletzungen und Knorpelschäden (Arthrosen) eine junge Therapieform besonders hervorgetan: die Eigenbluttherapie mit PRP. Dabei steht die Abkürzung PRP für plättchenreiches Plasma, also thrombozytenreiches Plasma. Häufig wird auch die Abkürzung ACP (Autologes Conditioniertes Plasma) verwendet. Mit dieser Behandlung können der Heilungs- und Regenerationsprozess beschleunigt und Schmerzen gelindert werden. Die Ergebnisse sprechen für sich.

Die Rolle von Thrombozyten im Heilungsprozess
Um zu verstehen, wie diese Therapie funktioniert, werfen wir einen kurzen Blick auf den Heilungsprozess des Körpers. Ist ein Gewebe (Muskeln, Sehnen, Bänder, Knorpel …) verletzt, aktiviert der Körper einen komplexen Wiederinstandsetzungsprozess, dessen Abläufe unter anderem von sogenannten Wachstumsfaktoren geregelt werden. Diese wiederum werden von den Thrombozyten (Blutplättchen), den kleinsten Zellen des Blutes, freigesetzt. Die Thrombozyten schütten Wachstumsfaktoren punktgenau an der verletzten Körperstelle aus.

Dabei spielt die Anzahl der Thrombozyten im Blut eine wichtige Rolle. Je mehr Blutplättchen an der betroffenen Körperstelle vorhanden sind, desto besser funktioniert die Heilung. Diesen Umstand macht man sich bei der Behandlung mit PRP zunutze – indem man ganz gezielt thrombozytenreiches Plasma in das beeinträchtigte Gewebe injiziert.

Wie gewinnt man plättchenreiches bzw. thrombozytenreiches Plasma?
Direkt in der Arztpraxis wird eine kleine Menge Blut aus der Armvene des Patienten entnommen. Das Blut wird anschließend für ca. fünf Minuten durch eine Zentrifuge geschickt, die es aufspaltet. Die Blutplättchen werden durch diesen Prozess separiert und aktiviert. Das derart aufbereitete goldgelbe Eigenblutplasma verfügt über eine hohe Konzentration an Thrombozyten (das 3- bis 8-fache der normalen Thrombozytenmenge). Es wird sofort nach der Herstellung exakt in die beeinträchtigte Körperstelle des Patienten injiziert und aktiviert bzw. unterstützt dort den Heilungsprozess. Diese Prozedur wird in der Regel zwei- bis dreimal (mit jeweils einer Woche Abstand) wiederholt.

Plättchenreiches Plasma bei Sportverletzungen
Die Behandlung von Verletzungen an Muskeln, Sehnen und Bändern mit PRP hat sich aufgrund der guten Ergebnisse zunächst im Leistungssport einen Namen gemacht. Renommierte Sportmediziner auf der ganzen Welt nutzen diese Therapieform bereits seit einigen Jahren, um Spitzensportler aller Disziplinen möglichst schnell wieder schmerzfrei, gesund und einsatzbereit zu machen. Relativ neu ist, dass die PRP-Therapie auch bei Verletzungen im Hobbysportbereich immer öfter zum Einsatz kommt, nämlich bei frischen Muskelverletzungen, chronischen Sehnenscheidenentzündungen (Tennisellenbogen, Patellasehnen- und Achillessehnenentzündungen), Bänderrissen u. v. m. Ermöglicht wird dies unter anderem durch den Einsatz neuer Kompaktgeräte zur Blutaufbereitung, die eigens für die ambulante Anwendung in Arztpraxen und für kleinere operative Eingriffe entwickelt wurden.

Neue Behandlungsmethode bei Arthrose
Auch bei der Behandlung von alters- oder verletzungsbedingten Gelenksknorpelschädigungen (Arthrose) kann die PRP-Therapie gute Ergebnisse erzielen. Unterstützend zu anderen Arthrosetherapien (je nach Ausprägung der Erkrankung) injiziert der Arzt das angereicherte Blutplasma direkt in das betroffene Gelenk und aktiviert dort den Heilungsprozess. So kann der Schmerz gelindert, die Entzündung reduziert, die Durchblutung gefördert und die Beweglichkeit des Gelenkes erhöht werden – und das bei allen Arthrosegraden. Im Allgemeinen sind mehrere Injektionen nötig, bis sich eine spürbare Wirkung einstellt. In frühen Stadien der Knorpelschädigung kann der Einsatz von PRP auch zur Knorpelregeneration führen

Weitere Einsatzgebiete
Da Blutplättchen bei allen Heilungsprozessen im menschlichen Körper eine essenzielle Rolle spielen, ist auch das mögliche Einsatzgebiet der PRP-Therapie sehr breit. Neben den genannten Sportverletzungen und Knorpelschäden wird sie derzeit vorrangig in der Zahnmedizin und in der Orthopädie eingesetzt. Sie findet aber auch Anwendung in der plastischen Chirurgie, in der Herz-Thorax-Chirurgie und in der Gefäßchirurgie, bei der Behandlung von Knochenbrüchen und bei Wundheilungsstörungen. Noch wird intensiv geforscht und an Studien gearbeitet. In einigen Teilbereichen wird die Anwendung von PRP auch recht kontroversiell diskutiert. Fest steht allerdings, dass diese Behandlungsmethode noch sehr viel Potenzial in sich birgt. Man darf also gespannt sein, was die Forschung noch alles zutage bringt.

Fotos: Arthrex